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Auf dem Weg in die Zukunft
Regionaltag zum gegenseitigen Kennenlernen

Ihren ersten Regionaltag zum gegenseitigen Kennenlernen erlebten am vergangenen Sonntag (21. August 2016) etwa 300 evangelische Gemeindeglieder in der CVJM-Jugendbildungsstätte in Wilgersdorf. Zu dem Tag der Begegnung hatten die vier Kirchengemeinden Netphen, Deuz, Dreis-Tiefenbach und Rödgen-Wilnsdorf eingeladen. Sie bilden die Region eins von insgesamt sieben Regionen im Evangelischen Kirchenkreis Siegen und sind seit eineinhalb Jahren auf dem Weg aufeinander zu. Wie können wir im Jahre 2025 evangelische Kirche sein, wenn die Zahl der Gemeindeglieder abnimmt, wenn Gebäude nicht mehr unterhalten werden können oder nicht mehr benötigt werden, wenn viele der jetzigen Pfarrer im Ruhestand sind und Stellen entweder aus finanziellen Gründen oder weil der Nachwuchs fehlt, nicht mehr besetzt werden können? Spätestens dann sind Gemeinden gezwungen, aufeinander zuzugehen und andere Formen von Gemeinde auszuprobieren.  
Ein eigens geschaffenes Gremium in der Region beschäftigt sich schon seit eineinhalb Jahren mit dieser Fragestellung. Aus allen vier Gemeinden gehören, je nach Größe drei oder vier Presbyteriumsmitglieder einschließlich Pfarrer diesem Gremium an. 10 Mal hat man sich auf Regionenebene bereits getroffen. Begleitet wird der Entwicklungsprozess der vier Kirchengemeinden von Pfarrer Ulrich Klink und Pfarrerin Antje Wischmeyer. Beide sind bestallte Gemeindeberater und Organisationsentwickler der Evangelischen Kirche von Westfalen. Klink, bereits im Ruhestand und Wischmeyer, Pfarrerin in Selm, können bei ihren Beratungsprozessen einen unabhängigen Blick von außen auf die Kirchengemeinden werfen. Letztlich müssen die Gemeinden aber ihren eigenen Weg in die Zukunft finden.

„Wir (vier) sind eins“, lautete das Motto des ersten Regionaltages. Für jede Kirchengemeinde stand ein andersfarbiges Puzzleteil, aus denen sich das Logo der Region farbenfroh zusammenfügte. Superintendent Peter-Thomas Stuberg nannte das Treffen in seinem Grußwort „einen Etappenpunkt auf dem Weg des zukünftigen gemeinsamen Miteinanders. Vier Puzzleteile gehören zusammen und ergänzen einander.“ Es geht ihm um die Fragestellung, wie die Gemeinden über den eigenen Kirchturm hinweg einander entdecken können, um zusammen evangelisch zu sein.

Zu Beginn des Gottesdiensts nannte Pfarrer Lothar Schulte, Netphen, den ersten Regionaltag als einen Tag des Ausprobierens. Jeder Ort und jede Gemeinde hätten eine eigene Identität. Zusammengefügt könne neues, buntes und einander Ergänzendes entstehen.
Fünf Pfarrer der vier Gemeinden gestalteten gemeinsam die Predigt. Sie spielten die Begebenheit nach, die unter dem „Fischzug des Petrus“ bekannt ist. Die Jünger, Fischer von Beruf, hatten die ganze Nacht auf dem See Genezareth gefischt und nichts gefangen. Sie hatten vergeblich gearbeitet, waren müde und erschöpft. Auf Jesu Wort hin probierten sie es dennoch erneut und fingen so viele Fische, dass die Netze zu zerreißen begannen. Sie riefen ihre Gefährten im anderen Boot zu Hilfe. Gemeinsam brachten sie die Fische an Land. Petrus wurde von Jesus zum „Menschenfischer“ berufen und er sowie die anderen Fischer folgten Jesus nach.  
Pfarrer Bernd Münker: „Die Fischer wurden Apostel und Missionare. Der altgriechische Ausdruck „sokreo“, der mit Menschenfischer übersetzt wurde, bedeute „zum Leben verhelfen“. Es gehe darum, Menschen zu helfen, an Gott zu glauben. Für diese Aufgabe dürfe jeder Christ seinen eigenen Stil finden.“

Rund 17.000 evangelische Gemeindeglieder leben in den 32 Ortschaften der vier Gemeinden. Die, so Pfarrer Tim Winkel, Deuz, bildeten gemeinsam Kirche. Kirche sei nicht über Kirchengebäude, Kapellen oder Pfarrer definiert. Winkel: „Die Basis auf der wir stehen ist Jesus Christus. Wir sind gerufen, miteinander Gemeinschaft zu leben.“ Dies wurde bewegend greifbar in spontan gebildeten Gruppen, die in Kreisen aufgestellt gemeinsamen mit Brot und Weintrauben gemeindeübergreifend das Mahl feierten. Die Kinder holten dazu Teller mit Brot und Weintrauben in die Gruppen.

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes erfolgte durch einen gemeinsam gebildeten Posaunenchor unter der Leitung von Armin Hoffmann, Deuz.

Nach dem Gottesdienst konnte Suppe und Würstchen gegessen werden. Für die Kinder waren Spiele im Freien aufgebaut und die Erwachsenen standen beieinander in unzähligen Gesprächen. Dass es ein gelungener erster Regionaltag war, war an vielen Stellen deutlich zu vernehmen.
Dabei soll es aber nicht bleiben. Weitere Schritte aufeinander zu sind erforderlich. Pfarrer Thomas Weiß, Dreis-Tiefenbach, machte deutlich, dass diese Auftaktveranstaltung ein erster Schritt sei, um einander kennen zu lernen und einander wahrzunehmen. Der für heute gebildete große Posaunenchor zeige beispielsweise etwas von den künftigen Möglichkeiten. Die Pfarrer Tim Winkel und Lothar Schulte zeigten auf, dass Kanzeltausch, Vertretungen bei Krankheit und Urlaub das Miteinander der Pfarrer stärkten. Erfahrungen in der regionalen Zusammenarbeit hätten schon die Jugendarbeit und damit auch die Konfirmandenarbeit in den vier Kirchengemeinden. Auch dies, so Tim Winkel, werde künftig  stärker in den Blick genommen.

kp