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Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz
und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26

Sie haben Hochkonjunktur: die Herzen.
In allen Variationen begegnen sie einem. Auf Postkarten, auf dem TShirt, in Blumensträußen, sogar an Hauswänden habe ich sie schon entdeckt. Bei Hochzeiten schmücken sie oftmals als
Luftballons diesen besonderen Tag. Aber auch in Zeiten der Trauer und des unfassbaren Leides drücken sie eine irgendwie ohnmächtige Form der Menschlichkeit aus. Von der Liebe sollen sie erzählen. Manchmal sogar nur noch die Liebe beschwören. Ehrliche, unverfälschte und bedingungslose Liebe.
Sie mögen kitschig anmuten. Aber mit diesen Herzen wollen
viele Menschen durchaus eine tiefe Sehnsucht ausdrücken.
Wonach?
Vielleicht nach einer Welt, in der es auf keinen Fall herzlos
zugehen soll. Vielleicht, um einen Traum von vollkommener Liebe
zu träumen, in dem es keine Beziehungsprobleme, keine Zwielichtigkeiten und auch keine Kurzlebigkeit gibt.

Eigentlich sollen sie ausdrücken, dass wir selbst ein wenig
anders, besser und eben fast wie neu sein könnten, wenn wir
die Liebe dauerhaft bei uns beherbergen könnten. Im biblischen Leitwort für 2017 geht es um ein solch wirkliches Neuwerden
gegen die alltägliche Herzlosigkeit.
Und das, obwohl wir ja ansonsten die Alten bleiben. Mit unseren
engen Grenzen. Mit unserem Geiz, unserer Kleinlichkeit und unserer taktischen Kühle für den eigenen Vorteil.

»Gott spricht: Ich schenke euch
ein neues Herz und lege einen neuen Geist
in euch.«

Ein solches Herz bekommen wir nicht, wenn wir uns moralisch anstrengen.
Es ist auch nicht erst zu spüren in einem besonderen Gefühl.

Es ist ein Geschenk, das ja schon da ist. Gott hat es bereits
in uns eingepflanzt. Dieses neue Herz hat eine einzige Funktion:
im Herzschlag Gottes zu pulsieren.
Es schlägt im Rhythmus eines Gottes, der uns fern und nah
zugleich sein kann. Der uns bewegt und uns das Stillhalten lehrt.
Der uns empfangen heißt und weitergeben, reden und schweigen,
ruhen und tätig sein. Ihn hören und darauf antworten. Seine Vollkommenheit erlangen und mit unserem mäßigen Glauben
ihm zu entsprechen suchen. Gott ersetzt euer steinernes Herz,
sagt Hesekiel, von dem dieses Bibelwort stammt. So kommt
Gott unserer Sehnsucht nach einer gelingenden Welt entgegen.
Er ermöglicht sie. Wie? Durch seinen Geist, sagt der Prophet.
Der Geist gibt uns für den Alltag einen »hintersinnigen« Blick.
Er lässt mich durch die Erfahrungen hindurch sehen. Selbst
durch ernüchternde Erfahrungen von herzlosen Versteinerungen.
Sein Geist lehrt mich immer noch, mit Gott zu rechnen.
Es ist sein Geist, der allem Toten neues Leben einhaucht.
Geht das auch in kleiner Münze? Nun vielleicht, indem wir jeden
neuen Tag des Jahres 2017 betend Gott anbefehlen.
»Sei du da Gott, wo ich nicht mehr weiterkomme. Sei da,
wenn ich den Menschen begegne, mit denen ich es schwer
habe. Sei da, wenn die Tagesschau wieder nur Unfassliches
zeigen kann. Sei du da, wenn ich deine Kraft brauche und
meine am Ende ist. Sei da, wenn ich mich wegen meiner Fehler abgründig schäme. Sei da, wenn meine Liebe erkalten will,
meinem Hoffen der Atem ausgeht und mein Glaube versickern
will …«

So legen wir unser Leben auf Gottes Herz. Und in Jesus Christus entdecken wir, was es heißt: Gott selber ist barmherzig.
Darum kann ich es mit mir und den Anderen sein.

Ich wünsche Ihnen ein gutes, herzliches und
gesegnetes Jahr 2017.

Peter-Thomas Stuberg
Superintendent